OT67
- Ich sehe etwas, das du nicht siehst! -
Teil II
Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl
Uebersetzung: Anke Podesser
Die Könige von früher waren genauso wie verwöhnte Kinder. Sie haben immer bekommen was sie wollten. Morgens, mittags, abends und auch nachts. Weißt du warum? Weil sie die Macht hatten zu rauben und zu stehlen und zu morden. Die Macht der Waffen. Aber unser großer GOTT hat einen Plan mit dieser Welt und dieser Plan wird ausgeführt werden. Für IHN sind die Mächtigen schwach und die Schwachen mächtig. Hör mal zu:
„Bist du jetzt ganz verrückt geworden, Herr Wahrsager?“ schreit ein übereifriger Knecht vom König, der vor seinem Herrn gut dastehen will. „Du wirst bezahlt um zu fluchen, nicht um zu segnen. Haben wir deshalb so schwer gearbeitet und sieben Altäre gebaut und auf jedem davon sieben Stieren und sieben Widder geopfert?“
Die Fürsten von Moab nicken zustimmend,
aber König Balak bringt sie mit einer Handbewegung zum schweigen.
„Was soll das heißen, Bileam?“ fragt er
eisig, „Ich habe dich geholt um meine Feinde zu verfluchen, aber du hast sie
gerade gesegnet.“
Bileam hebt machtlos seine Hände.
„Durchlaucht, das hier passiert ohne mein Zutun. Ich kann nicht anders, als
GOTTes Worten reden. Habe ich es ihnen nicht vorher gesagt? Nehmt es mir bitte nicht übel.“
Natürlich hat Bileam Angst vor der Wut des
Königs, der ihn töten kann, aber nach der Geschichte mit dem Esel fürchtet er
sich tausend Mal mehr vor dem Zorn GOTTes.
Balak dreht sich um und berät sich kurz mit
seinem Ratgeber für religiöse Angelegenheiten, der viel Erfahrung mit Geistern
und Göttern hat. Nach kurzem Überlegen sagt der Ratgeber: „Ich weiß nur, dass
jeder Gott sein eigenes Gebiet hat. Vielleicht müssen wir einen anderen Platz suchen, Majestät.“
Der König schnippt mit seinen Fingern und
antwortet: „Das ist es!“
Auf der Spitze des Berges Pisga ist eine
Hochebene, die ‚das Feld der Späher’ genannt wird. Von dort kann man ganz weit
sehen. Siehst du wie sich dort die kleinen Pünktchen bewegen? Das sind die Israeliten.
Eigentlich siehst du nicht das ganze Volk, nur eine kleine Nachhut. Sehr
beeindruckend ist das nicht. Unbedeutende Pünktchen im weiten Land,
Stäubkörnchen, Würmchen. Und das ist genauso wie Bileam es in Gedanken hat.
„Dies scheint mir der richtige Platz zu
sein, Majestät!“ sagt er mit Überzeugung.
„Hier müssen wir sieben Altäre bauen und
auf jedem Altar einen Stier und einen Widder opfern!“ Der König lässt alles
nach Bileams Anweisungen machen. Dieses Mal muss der Plan gelingen.
Während Balak beim Altar stehen bleibt,
sucht Bileam die Einsamkeit um seinen Geist für GOTT zu öffnen. Um ihn
herum herrscht Totenstille. Nur der Wind weht und ein Vogel ruft. Der Geruch
von den Opfern kommt in seine Nase. Kleine Pünktchen...kleine Pünktchen, wenige
kleine Pünktchen... Konzentriere dich, Bileam. Kleine Pünktchen werden... hallo
... was ist das denn? Sie werden GRÖßER! Als ob Bileam durch ein Fernglas
schaut. Auf einmal weiß Bileam, dass sie in GOTTes Augen sehr wichtig sind. Er
sieht Väter, Mütter, Kinder, süße Babys. Er hört wie sie reden, wie sie lachen,
wie sie weinen und wie sie beten. Oh, ist das super, GOTT kennt jeden ganz
persönlich und hat Gedanken des Friedens und nicht des Unheils für sie. Israel
ist GOTTes auserwähltes Volk! Es ist
Teil von GOTTes Plan für die Welt. Es geht ein Frösteln durch den Propheten,
als er GOTTes Stimme hört.
„Gehe zurück zu Balak,“ sagt der HERR, „und
sprich also...“
„König Balak von Moab, Sohn von Sippor,“
fängt Bileam an als er vor Balak steht, „diese Botschaft ist für Sie
persönlich. GOTT kann nicht lügen. Wenn Er segnet, dann segnet Er und niemand
kann daran etwas ändern. Es kommt kein Unheil über das Volk Israel, denn GOTT wacht über sie wie ein
wilder Stier. Es ist unmöglich Sein Volk zu verfluchen.“
Balak weicht keinen Meter zurück. Er ist es
gewöhnt seinen Willen zu bekommen. Bei den Göttern geht es einfach darum die
richtige Art und Weise, die richtige Belohnung zu finden... Alles nur
Manipulation. Du wirst vom Leben zum
Narren gehalten. Aber dieser Prophet geht zu weit. Der spielt mit seinem Leben.
„Hör’ mir gut zu, Wahrsager,“ stößt er
wütend, aber immer noch beherrscht hervor. „ Du weißt was mein Wunsch ist. Wenn
du nicht verfluchen willst, dann segne aber auch nicht. Wir werden es noch
einmal probieren, dort drüben auf der Spitze des Peor, wo man über die Wüste
hinaus schauen kann. Dieser Jahweh von dir ist wahrscheinlich ein Wüsten- gott.
Seine Macht ist auf die dürren Flächen begrenzt.“
In einer Geschichte ist es einfach mal kurz
von der einen Hochebene auf die andere Hochebene hinüber zu springen, aber in
Wirklichkeit muss sehr viel geklettert werden. Vielleicht sogar Tagelang. Und
dann haben wir noch nicht über die Stiere und Widder gesprochen die dort wieder
ganz nach oben gezogen werden müssen. Das kostet Blut, Schweiß und Tränen, aber
endlich ist alles wieder aufgestellt wie es gedacht ist. Die Opfer sind
gebracht.
Bileam stellt sich an den Rande der
Schlucht, von wo aus er über das Gebiet sehen kann, wo das Volk Israel gelagert
hat. So weit du sehen kannst, bis an die Berge in der Ferne, gibt es heiße
Felsen und Sand. Hoppla, vorsichtig!
Ein heftiger Windstoß bläst Bileam fast vom Berg. Was für eine Wüste!
Was für eine große kahle Wildnis! Luft und Leere...
Bileam muss unwillkürlich an die Schöpfungsgeschichte
denken, die sein Vater ihm überliefert hat. „Am Anfang war die Erde wüst und
leer.“ Trostlose Einsamkeit. Was für einen Sinn hat das Leben, wenn die Welt so
groß und leer ist, wenn der Tod das letzte Wort hat? Bileam muss kurz
schlucken.
ABER
DANN RICHTET ER SEINE AUGEN AUF
ISRAEL! Und was sieht er? Keine Sinnlosigkeit, keine Mutlosigkeit, aber
Ordnung. Ordentlich aufgestellte Zelte, zwölf Stämme, jeder mit einer eigenen
Fahne. Jeder gehört irgendwo hin und zusammen gehören sie zu... Das braune Zelt
dort in der Mitte, mit dem Zaun rund herum, dort muss das Allerheiligste sein,
wo der HERR wohnt!
Bileam fühlt eine große Aufregung. GOTTes
Geist kommt über ihn. Er hat Balak komplett vergessen. Wie ein Fluss brodelt es
aus ihm heraus und er ruft mit kräftiger Stimme: „SO SPRICHT BILEAM, DER MANN
MIT DEN GEÖFFNETEN AUGEN, DER MANN DER
GOTTES WORTE HÖRT. WIE GUT SIND DEINE ZELTE, ISRAEL. GOTT HAT DICH AUS ÄGYPTEN
HERAUSGEFÜHRT. GESEGNET SIND DIE DICH SEGNEN UND WER DICH VERFLUCHT SEI
VERFLUCHT...
„Donner und Blitz,“ schreit Balak mit
geballten Fäusten.
„Bei allen Götter! Zum verfluchen habe ich dich hergerufen, du
nichtsnutziger Prophet und jetzt hast du schon drei Mal gesegnet!!! Mach dass
du fort kommst. Geh nach Hause und glaube ja nicht, dass du auch nur einen Cent bekommen wirst. Hast du verstanden?“
Ist Bileam davon beeindruckt? Nicht im
Geringsten. Er weiß, dass GOTT an seiner Seite ist. Ganz ruhig antwortet er:
„Das habe ich doch von Anfang an gesagt. Ich gehe sofort nach Hause, aber
zuerst muss ich meine Geschichte beenden.“
Der traut sich was. Dem König sagen, dass
er den Mund halten muss.
Bileam fängt an zu prophezeien über Moab,
über die Keniten und Assur, aber das Wichtigste ist sicher die Prophezeiung
über den Stern.
DIES IST DER SPRUCH VON DEm MANN, DER
OFFENE AUGEN HAT, DER WEIß WAS GOTTES PLAN IST. ES WIRD EIN STERN ERSCHEINEN
UND EIN KÖNIG WIRD AUS ISRAEL HERVORKOMMEN...
Balak zuckt mit den Schultern. Er hat keine
Ahnung, worüber Bileam redet. Das ist
ein Idiot, der Unsinn redet. Den Verrückten kann man laufen lassen. Er hätte
ihn nie holen sollen.
Aber wir wissen, dass es keinen Unsinn ist,
was Bileam prophezeit.
Tausende Jahre später wird Jesus geboren,
GOTTes Antwort auf alle Unterdrückung von Machthabern, Terroristen, Erpresser,
Diktatoren, auf Flüche und Schimpf-kanonaden in allen Herren Länder. Es ist
eine Niederlage für Balak, aber ein Segen für uns.
Danach kehrt Bileam an seinen Wohnort
zurück und auch Balak geht wieder nach Hause.