Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl
Uebersetzung: Anke Podesser
Hast du
schon einmal jemanden geradeheraus gesagt, dass er oder sie einen Fehler macht?
Zum Beispiel
ein Kind in deiner Klasse, das jeden Tag einem anderen Kind das Leben zur Hölle
macht.
Hast du
schon einmal gesagt: „ Halt, Stopp! Lass das! So was macht man nicht!?“
Hat sich
das gemeine Kind darüber gefreut? Sicher nicht.
Genauso
war es früher auch.
Amos war
am liebsten bei seinen Schafen. Nicht dass die so unkompliziert waren, aber man
wusste was man an ihnen hatte. Es gab die Stoßwütigen, die Beißer und die
Drängler und die, die folgten, dumme und gescheite Tiere. Manchmal dachte er:
Sie sind fast wie Menschen. Aber wenn er sich dann wieder überlegte zu was für
grässliche, gemeine Dinge die Menschen im Stande waren, dann wählte er zu 100%
seine Schafe. „Beh, beh, beh!“ Mitten in der Nacht steht er auf wenn ein
Mutterschaf ein Lämmchen bekommt. Es macht Amos so glücklich wenn er wieder so
ein schwarzes, weißes oder gesprenkeltes neugeborenes Lamm in den Armen hält.
Es ist immer wieder ein Wunder von GOTT, dieses neue Leben.
Aber immer
öfter ist er unruhig, dann dreht sich alles in seinem Kopf um die Worte GOTTes.
Dann überlässt Amos seine Schafe einem Knecht und geht los.
Nein, Amos
hat keinen Fernseher und keine Zeitung. Er kann die Nachrichten nicht im Radio
hören, aber er weiß genau was sich im Land und auch in den umliegenden Ländern
tut. Und das macht ihn so wütend.
Er MUSS
REDEN, in den Straßen und auf den Plätzen rufen. Er kann nicht SCHWEIGEN. Um
ihn herum passieren Sachen, die total verkehrt sind. GOTT SELBST will, dass er
redet.
„Gaza,
Damaskus, Tyrus! GOTT schreit vor Wut gegen euch, weil ihr ein ganzes Volk in
ein anderes Land weggeführt habt! GOTT ist wütend auf euch Ammoniter, weil ihr
schwangere Frauen ermordet habt! Und ihr Volk GOTTes, Juda und Israel, ihr seid
kein bisschen besser. Ihr habt angefangen Lügengöttern zu dienen. Ihr macht die
Armen noch ärmer, als sie schon sind. Erpresser seid ihr!! Hauptsache, euch
geht es gut, oder?“
Amos
Gesicht wird ganz rot vor Wut. Seine Stimme hallt von den Häusern zurück, als
ob dort große Lautsprecher stehen würden.
„He, du
dummer Schafzüchter, jetzt mal ruhig.“ Ruft einer vom Flachdach herab. „Lass
uns in Ruhe. Wenn du noch mal so herum schreist, schmeiß ich dir einen Stein
auf den Kopf, verstanden?“
„Ja, was
willst du eigentlich von uns?“ fragt eine dicke Frau, die in der Türöffnung
ihres Hauses steht, „die Kinder schlafen. Wir tun doch nichts Besonderes? Wir
gehen jeden Sabbat in die Versammlung und feiern treu die religiösen Feste.“
„O ja?“
schreit Amos, dem es nichts ausmacht wenn es zu einem Aufstand kommt,
„ Diese
Feste von euch: GOTT hasst sie. Suche lieber das Gute, damit du am Leben
bleibst und der HERR mit dir ist. Lass das Recht wie Wasser strömen und die
Gerechtigkeit wie ein immer fließender Bach!“
Platsch!
Platsch! Schon fliegen den Propheten GOTTes ein paar faule Eier um die Ohren.
Wie das stinkt! Amos kann sich selbst nicht riechen.
Und schau
mal... dort in der Seitengasse, halb versteckt im Schatten. Ist das nicht der
Priester Amasja? Aber sicher! Er flüstert einem Knecht eine Botschaft ins Ohr.
„Hier,
nimm meinen Ring als Beweis mit. Geh in den Palast und versuche mit König
Jerobeam zu sprechen, und zwar schnell!
Sag ihm in meinem Namen, dass Amos eine Verschwörung gegen ihm am
anzetteln ist. Er muss festgenommen werden,
bevor es zu einem Aufstand kommt! Der König soll seine Soldaten
schicken. Lauf, so schnell du kannst.“ Der Knecht verschwindet.
Aber Amos
hat ihn doch gesehen und begreift, was los ist. Sie wollen ihn umbringen, weil
er die Wahrheit sagt.
Mit
erhobenem Zeigefinger geht er auf Amasja zu und schreit: „Tu ruhig was du tun
musst, Amasja. Ich werde nicht still sein, denn GOTT will dass ich rede. Es
wird sicher geschehen.“
Als Amos
am Abend in sein Bett kriecht, müde und heiser, voller Kratzer und Beulen, mit
dem leichten Geruch von faulen Eiern um sich, muss er furchtbar weinen. Er muss
so sehr weinen, wegen allem was noch kommen wird. Wird GOTT ein Feuer schicken
um zu strafen, oder eine große Flut, oder feindliche Armeen oder die Pest?
„Bitte,
HERR GOTT, mein armes Volk...“
„Nein, Amos,
ich werde kein Feuer schicken, aber ich werde mein Volk messen. Siehst du dieses Senkblei?
Damit kannst du messen ob eine Mauer gerade ist.
Ich werde mein Volk messen. Wie gut sie sind... Und der
schlechte König Jerobeam wird durch das Schwert sterben. Aber... Amos, mein
treuer Knecht, mein Prophet... es gibt
noch Hoffnung!!“
„Hoffnung?“
Amos sitzt sofort gerade in seinem Bett. Er wischt sich die Tränen ab,
schluchzt noch ein wenig... „Wirklich, Gnädiger VATER, es gibt noch Hoffnung?“
Sicher, es
gibt Hoffnung. Denn GOTT zeigt ihm dort in seinem Schlafzimmer was in Zukunft
passieren wird. Nach allem Strafen kommt Wiederherstellung. Amos sieht in
Gedanken eine schiefe verfallene Hütte in einem Weinberg, die mit einer großen
Hand wieder hergerichtet wird.
„Ich werde
das Los meines Volkes Israel umkehren, Amos. Verwüstete Städte werden sie
wieder aufbauen und bewohnen...“ klingen die hoffnungsvollen Worte GOTTES.
Amos fängt
gleich in der Früh an alles auf einer Schriftrolle zu schreiben, damit die
Botschaft bewahrt bleibt. Der Messias kommt, Der Sohn Davids. Hoffentlich
dauert es nicht mehr zu lange.