OT57 - Eine Nacht bei den Löwen - Daniël 6
Verfasser: Josine de Jong ,
www.bijbelverhalen.nl
Uebersetzung: Anke Podesser
In einem Saal des königlichen Palastes in
Babylon sitzen ein paar wichtige Menschen: Minister, Stadthalter und Ratgeber.
Sie reden miteinander während die Diener kühle Getränke anbieten. Nachher wird
der große Gong zum Essen geläutet. Die Türen zum Garten sind weit geöffnet.
Dünne Vorhänge wehen sanft nach innen, als der warme Wind dagegen bläst.
Plötzlich sagt einer von ihnen: „Schau mal, der König spaziert mit dem Asylant
aus Juda.“
Ein paar Männer stehen auf und schauen.
Ja, König Darius hat seinen Arm vertraulich um die Schulter des alten
Daniels gelegt. Sie gehen und reden gemütlich miteinander. Ab und zu hört man
den König auflachen. Einer der Ratgeber, Slassar, bemerkt säuerlich: „ Ich kann
diesen Juden nicht leiden.“
„Er ist aber ein guter Minister,“ antwortet ein Stadthalter, der Daniel
verteidigen will. „Er kümmert sich gut um das Volk.“
„Ja, ein bisschen zu gut!“ sagt der Ratgeber wieder. „Ich habe verlauten
hören, dass der König ihn zum Vizekönig machen will. Stellt euch das mal vor.
Ein Ausländer als Vizekönig!“
Er wirft noch einmal einen bösen Blick in den Garten hinaus.
„Der König findet aber, dass er etwas Besonderes ist,“ sagt der
Stadthalter wieder.
„Etwas Besonderes!“ Slassar ist ganz aufgebracht. „Der Mann ist nicht
ganz normal. Wisst ihr, dass er drei Mal am Tag am offenen Fenster zu seinem
GOTT betet?“
Er nimmt einen Schluck Wein und redet weiter: „ Aber wir behalten ihn im
Auge. Wenn wir ihm nur einen Fehler nachweisen können, dann ist er dran.“
Ein Minister zuckt mit den Schultern und sagt: „Da kannst du lange
warten, Slassar. Daniel ist treu und arbeitet ganz genau.“
Nachdenklich streichelt er seinen Bart und fügt zweifelnd hinzu:
„...Außer wir finden in seinem Dienst für seinen GOTT etwas gegen ihn.“
„Warte! Ich habe einen Plan!“
ruft Slassar aus. Alle stellen sich zu
ihm und Slassar erklärt, was er sich gerade ausgedacht hat um Daniel zu
stürzen.
Am nächsten Tag stehen die Minister und Stadthalter vor dem König.
„O, König, lebe ewiglich. Wir sind der Meinung, dass du ein Gesetz
erlassen solltest, dass niemand einen Gott anbeten darf, außer Dich. Und wer
das trotzdem macht, wird in die Löwengrube geworfen.“
Der König ist erstaunt über diesen Vorschlag. Er zieht die Augenbrauen
hoch und schaut einer nach dem anderen an.
„Jeder im Land soll wissen, dass du der Herr bist, Majestät,“ sagt
Slassar schmeichelnd.
Der König nickt nachdenklich, zögert noch kurz und greift dann zur
Feder. Er unterzeichnet den Beschluss.
Als Daniel hört, dass das Gesetz unterzeichnet ist, geht er nach Hause.
Er hat ein Obergemach mit offenem Fenster nach Jerusalem hin und beugt wie
immer seine Knie.
Er setzt sich nicht in einen Schrank oder legt sich auf sein Bett zum
Beten. Denkt ihr vielleicht, dass er sich wegen seinem GOTT schämt? Denkt ihr
vielleicht, dass ein Befehl vom König ihn vom Beten abhalten kann? Dann habt
ihr euch aber geirrt. Daniel betet weiterhin zu GOTT.
Sobald die Feinde sehen, dass Daniel vor dem Fenster betet, eilen sie
zum König um es ihm zu erzählen. Sie drängen ihn, Daniel in die Löwengrube zu
werfen, weil ein Gesetz der Meder und Perser nicht widerrufen werden darf.
Der König merkt, dass er in die Falle getappt ist. Er versucht alles um
seinen Freund zu retten, aber vergebens.
Bei dem Licht von Fackeln wird Daniel am Abend abgeholt um in die
Löwengrube geworfen zu werden. Der König ist sehr traurig.
„Ich hoffe, dass dein GOTT, dem du mit deinem ganzen Herzen dienst, dich
bewahrt.“
Es wird noch ein Stein auf die Öffnung gelegt und König Darius
versiegelt ihn mit seinem Siegelring.
So eine heiße, dunkle beängstigende Nacht hat Daniel noch nie erlebt. Um
ihn herum
lauert die Todesgefahr.
Es hängt dort ein Geruch nach Löwen und ihren Ausscheidungen in der
Luft. Er hört ihr schnaufen und leises Grummeln, durch das sie untereinander
Kontakt halten. Er spürt ihr Fell, wenn sie an ihm vorbei laufen. Jeden Moment
erwartet er einen Stoß, scharfe Krallen oder einen starken Schmerz.
Aber Daniel weiß, bei wem er Schutz suchen kann. Der HERR ist doch sein
Schild und seine Rüstung.
Der König kann nicht schlafen. Was für eine Nacht! Daniel, sein Freund,
von den Löwen getötet, oder...
Als der Morgen dämmert, hält er es nicht länger aus. Er läuft schnell
zur Löwengrube. Mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme ruft er: „ Daniel,
lebst du noch? Hat dein GOTT dich bewahren können?“
Als Antwort brüllt ein Löwe. Der König schreckt zurück. Als er gerade
umkehren will um wieder zu gehen, hört er plötzlich eine bekannte Stimme: „O
König, lebe ewiglich! Mein GOTT hat einen Engel geschickt, der das Maul der
Löwen zugehalten hat. Sie haben mich nicht angerührt, weil ich unschuldig bin.“
Der König freut sich riesig. Sein Freund ist noch am Leben. Sein GOTT
hat ihn gerettet.
Daniel wird herausgezogen und ist wieder frei.
Seine Feinde aber haben keinen Retter. Die Löwen fressen sie mit Haut
und Haar.
König Darius schreibt einen Rundbrief. Darin befiehlt er in seinem
ganzen Reich den GOTT Daniels zu ehren, denn Er ist der einzig wahre GOTT.
Im großen Garten des Palastes spazieren Darius und Daniel. Der König hat
seinen Arm um die Schultern seines alten Freundes gelegt. „Erzähle mir alles,
Daniel. Alles von dieser heißen, dunklen, beängstigenden Nacht bei den Löwen.“
Daniel erzählt und hin und wieder hören die Diener, wie das Lachen des
König an den Gebäuden widerhallt.