OT46 - Der HERR befreit Samaria    1 Kon.20

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

 

 

„ Jetzt reicht es!“ ruft König Joram von Israel wütend.

„Was denkt sich dieser Elisa? Ich werde ihn heute noch enthaupten lassen. Adjutant gehe zu ihm. Ich komme gleich nach.“

Mit einer übertriebenen Gebärde reißt er die Seitennaht von seinem Königsmantel auf. Oh, jetzt können alle Menschen einfach so seine nackte Beinen und ein Stückchen von einem hässlichen Mantel sehen, ein Trauergewand.  Oh weh, oh weh.

 

Wieso macht König Joram so etwas? Ist vielleicht etwas ganz schreckliches geschehen? Etwas Grässliches?

Ja, schau dich mal um. Hier, von oben auf der Stadtmauer kannst du das ganze Elend sehen. Rund um Samaria lagert eine feindliche Armee, die Armee von Ben Hadad III, König von Aram. Siehst du die vielen Zelte, die Pferde und Esel, die Soldaten? Die lagern schon sehr lange dort, schon viele Monate. Es kann kein Huhn durch das Tor hinein oder hinaus. Und dadurch gibt es Hunger, furchtbaren, schrecklichen Hunger. Die Menschen essen alles was sie kriegen können, von Eselsköpfen bis zu Taubenmist. Und sogar dafür bezahlt man horrende Preise. Aber das allerschlimmste hat der König gerade eben erfahren. Mütter die ihre eigenen Kinder aus Ratlosigkeit töten. Wenn er nur nicht auf Elisa gehört hätte, diesen unheimlichen Propheten. Er ist schuld. Schließlich hat er ihm geraten, sich Ben Hadad nicht zu ergeben.

„Vertraue auf GOTT,“ hat Elisa ihm geraten. „Er wird dir helfen.“

Also, wenn das helfen ist. Sieh doch mal, wie das Volk herumläuft. Sie schauen aus wie lebende Skelette. Nein, Elisa ist ein stinkender Betrüger. Mit großen Schritten bahnt sich der König einen Weg zu Elisas Haus.

 

„Aufgepasst!“ sagt Elisa zu den Stadträten, die ihn gerade besuchen. „Gleich kommt ein Diener von Joram. Haltet ihn an der Tür auf, denn dieser Sohn eines Mörders kommt gleich hinterher. Er will mich enthaupten lassen. Achtet auf meine Worte.“

Und... jawohl Da ist der König schon.

Das Maß ist voll!“ brüllt er, als er seinen Fuß über die Schwelle setzt. „Du elender Prophet. Weißt du, wie tief wir gesunken sind? Denkst du jetzt wirklich, dass ich meine Hoffnung noch länger auf GOTT setze?“

Elisa, der selbst auch spindeldürr ist vor Hunger, steht schweigend auf und läuft zum König. In Anwesenheit des ganzen Stadtrates hebt er seinen Zeigefinger und prophezeit: „ Höre das Wort des HERRN, König Joram von Israel. Wer auf den HERRN vertraut, vertraut nie vergebens. Morgen um diese Zeit wird man auf dem Markt für einen Schekel zwei Liter Gerste oder einen Liter Mehl kaufen können.“

Es herrscht Totenstille in Elisas kleinem Zimmerchen. Das muss man erst einmal verarbeiten. Durch die geöffnete Tür klingt von weitem das klagende Geheul eines verzweifelten Menschen. Plötzlich stößt der Adjutant, auf dessen Arm der König sich stützt, Elisa grob nach hinten, während er verächtlich schnaubt: „Höre sich das einer an. Das Essen fällt dann sicher vom Himmel. Haha.“

„Deine Augen werden es sehen,“ antwortet Elisa ernst, „aber dein Mund wird nichts davon schmecken.“

 

Es ist Abend. Die armen hungrigen Menschen von Samaria sind früh zu Bett gegangen. Vielleicht können sie ihr Elend dann ein wenig vergessen. Auf der Stadtmauer drehen Wachtposten ihre eintönigen Runden. Aber draußen im Lager von König Ben Hadad geschehen eigenartige Dinge. Ganz eigenartige.....

Rrrrrt!...Pst! ... Psssst! ... Taptaptap!

Was ist denn da los? Rennen da vielleicht Ratten durch das Lager? Und wo sind alle Soldaten? Wo ist König Ben Hadad?

 

Im spärlichen Licht einer kleinen Fackel sieht man vier Männer in dreckiger Kleidung. Sie schleichen hierhin, dann wieder dorthin, tauchen unter Zeltplanen durch, in ein Zelt hinein, aus dem anderen Zelt wieder hinaus. Ihre Arme sind voller Schätze.

„Hier liegt enorm viel,“ flüstert einer. „Kuchen und Wein. Auch Silber und Gold.“

„Steck es in einen Sack. Wir verteilen es später.“ zischt ein anderer.

„He, stopp!“ erklingt plötzlich die Stimme des Jüngsten. „Wir können das doch nicht alles für uns selbst behalten. Wir müssen es in der Stadt verteilen. Das hier sind wichtige Neuigkeiten.“

„Ja,“ stimmen die Anderen zu. „Eigentlich schon. Sie werden uns bestimmt umbringen, wenn wir nichts sagen. Kommt mit!“

„Wachtposten, Wachtposten auf der Mauer!“

Auf einmal steht die Schildwache von König Joram still. Hat da  jemand gerufen?

„Wir sind es,“ hört er wieder. „ Die vier Aussätzigen, die immer bei der Ostpforte schlafen. Wir haben gute Neuigkeiten!“

Die Schildwache ist auf der Hut. Das könnte eine Falle sein. Aber dann erzählen die Männer aufgeregt was sie entdeckt haben. DAS LAGER DER ARAMÄER IST VERLASSEN! Kein Soldat weit und breit. Und alle Sachen liegen noch herum. Schnell wird König Joram mit seinen Berater geholt. Zuerst vermuten sie einen Trick von Ben Hadad um sie aus der Stadt zu locken. Deswegen schicken sie Aufklärer mit Pferden und Wagen los. ABER ES IST WAHR! Die Aramäer sind geflüchtet. Der Weg ist übersät mit Sachen, die sie weggeworfen haben als sie so schnell wie möglich verschwinden wollten.

Und weißt du auch, wovor sie geflohen sind? Das errätst du nie... Vor einem Geräusch!!!  Der HERR hatte sie nämlich das Geräusch von Hufgetrappel hören lassen, als ob eine ganze Armee in Anmarsch wäre. Haha! Ist das kein Witz?

 

Als der König und das Volk es hören, sind sie außer sich vor Freude. Die Tore werden jubelnd aufgebrochen und jeder drängt nach draußen.

Hurra! Essen! Beute! Mund und Säcke füllen!

Am Mittag wird schon wieder Handel getrieben im Tor. Ein Liter Mehl kostet einen Schekel und zwei Maß Gerste ebenfalls. Es geschieht genau so wie Elisa prophezeit hat. Und der Adjutant des Königs? Dieser ungläubige Schreihals?

Er wird vom Volk überrannt, das aus der Stadt hinaus wollte. Seine Augen sahen das Essen, aber sein Mund hat es nicht geschmeckt. Denn der HERR lässt sich nicht spotten.