OT41   Esther und Mordechai retten ihr Volk

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

„Der Ministerpräsident!!!“

Die Palastwache der Burg Susa nimmt Haltung an. Und alle Menschen vor dem Palast knien nieder. Denn es kommt eine sehr wichtige Persönlichkeit heraus. Haman, der Freund des Königs.

Schau doch, da geht er zu seiner Kutsche. Also, das schaut gar nicht gut aus, wenn dieser mächtige Mann etwas gegen dich hat. Aber warte mal kurz. Siehst du das? Gibt es wirklich jemanden der sich nicht verbeugt? Der Haman verächtliche Blicke zuwirft? Ja, es ist Mordechai, auch ein wichtiger Knecht des Königs.

„So ein Egoist!“ denkt Mordechai. „Vor dir verbeuge ich mich sicher nicht.“

O weh, o weh, wenn das mal gut geht.

 

Haman hat es schon lange bemerkt. Schmeichler haben es ihm erzählt. „Der Jude verbeugt sich nicht.“ Und Haman will Rache. Nicht nur Mordechai, nein, alle Juden müssen sterben. Eines Tages lässt er den Magier am Hofe das Los werfen um den richtigen Tag zu erfahren. Mit diesem Wissen und einen großen Sack voller Geld ersucht er um eine Audienz beim König.

„Oh, König, lebe ewiglich. Wenn du deine Erlaubnis für meinen Plan gibst, dann werde ich dir 10.000 Talente Silber geben.“

Er redet sehr schlecht über die Juden.

„Es ist ein aufständisches Volk,“ behauptet er, „ und sehr gefährlich. Sie müssen ausgelöscht werden, denn sonst...“

Der König, der Angst um seinen Thron hat, gibt seinen Siegelring im Vertrauen an Haman. Das Gesetz wird erlassen. Am 13. Tag des Monats Adar sollen alle Juden getötet werden.

Weinen und schreien, das tun die Juden als sie davon erfahren. Vor allem die Leute aus Susa. Sie wenden sich an Mordechai um Hilfe. Er arbeitet schließlich für den König.

„Geht, betet und fastet“ sagt Mordechai verbissen. In Trauerkleidung und mit Asche auf dem Haupt stellt er sich laut jammernd vor das Tor des Königs. Ist das eine gute Idee?

 

„Majestät, es steht ein Mann in Trauerkleidung am Tor,“ sagt eine Dienerin zu Esther. „Meiner Meinung nach ist es ihr Pflegevater.“

Esther erschrickt. Die Soldaten werden Mordechai sicher aufgreifen. Am Besten zieht er erst einmal einen normalen Mantel an. Was da wohl los ist? Hatak, der Diener geht um es herauszufinden.

„Alle Juden müssen getötet werden,“ erzählt Hatak als er wiederkommt. „Ihr Onkel sagt, dass sie zum König gehen müssen um das zu verhindern.“

Esther schüttelt entschlossen ihr Haupt. Nicht einmal darf sie ungebeten vor dem König erscheinen. Gebote sind Gebote. Die Nachrichten gehen hin und her.

 

„Denke nur nicht, dass dir das erspart bleiben wird,“ stellt Mordechai fest, „Vielleicht bist du aus diesem Grund sogar Königin geworden.“

Esther zittert. Was soll sie jetzt machen?

„Wenn alle für mich fasten und beten gehe ich,“ beschließt sie mutig.

 

Drei Tage später steht sie, schön gekleidet, am Ende des Ganges zum Thronsaal.

Wird der König sie akzeptieren? Jawohl! Freundlich klingt seine Stimme: „ Was ist dein Wunsch, Königin Esther? Bis zur Hälfte meines Königreichs sollst du bekommen.“

„Ich.. eh!“ stottert Esther, „Würdet Ihr zusammen mit Haman zu mir zum Essen kommen, Majestät?“

Der König muss lachen. Wagt Esther ihr Leben für ein Essen?

 

„Ich darf bei der Königin dinieren!“

In einem der Zimmer in seinem luxuriösen Haus wird Haman angekleidet. Seine Familie und Freunde schauen bewundernd zu. Und er kann nicht aufhören aufzuschneiden.

„Es gibt bloß einen dunklen Fleck in meinem Leben,“ seufzt er.

„Lass diesen Jude Mordechai doch hängen,“ schlägt ihm seine Frau vor.

Eine gute Idee. Haman lässt sofort einen 25 Meter hohen Galgen in seinem Garten aufstellen...

 

„Soll ich jetzt.... oder noch nicht?“

Esther zweifelt. Gerade, nach dem herrlichen Nachtisch, hat der König sie wieder gefragt, was denn ihr größter Wunsch sei. Aber ist jetzt schon der richtige Moment um über ihr Volk zu sprechen?

„Wollen sie morgen noch einmal mit Haman zu mir zum Essen kommen?“ fragt sie sanft. Der König stimmt zu.

 

In dieser Nacht kann Ahasveros nicht einschlafen. Es gibt so vieles über das er nachdenken muss. Um ihn abzulenken muss ein Sklave ihm aus dem Buch der Denkwürdigkeiten, der Chronik, vorlesen. Zufällig (?) wählt dieser ein Teil über Mordechai, der einen Anschlag auf dem König verhindert hatte, aber dafür noch nicht belohnt worden war.

„Morgen früh zuerst den Mordechai belohnen.“ denkt der König noch bevor er einschläft.

 

„Zuerst um einen Befehl zur Festnahme Mordechais bitten,“ denkt Haman, als er am nächsten Morgen in den Garten des königlichen Palastes kommt. Aber alles läuft ganz anders, als er es erwartet. Der König bittet ihn um seinen Rat. Wie soll jemand belohnt werden, der dem König viel Gutes getan hat. Haman wird ganz rot vor Aufregung. Er ist davon überzeugt selbst dieser Mann zu sein.

„Diese Person soll auf einem königlichen Pferd herumgeführt werden,“ schlägt er vor. „Und einer der Minister soll ausrufen: Verbeugt euch alle vor dem Mann, dem der König Ehre erweisen will.“

„Genau! Mach’ das mit Mordechai!“ befiehlt der König.

Wie angenagelt bleibt Haman stehen. Wie bitte? Wie ist denn das möglich? Zum Glück hat er noch nichts vom Galgen gesagt. Das sieht gar nicht gut aus. Mit einem langen Gesicht läuft er diesen Mittag über den Stadtplatz. Und Mordechai lacht natürlich. Welch ein Elend!

 

Und es nimmt kein Ende. An diesem Abend, während des Dinners, erzählt Esther dem König, dass jemand sie und ihr Volk vernichten möchte. Der König braust auf. Was soll das denn?

„Wer ist der Mann, der so etwas zu tun wagt?“ wütet er.

Esther zeigt auf Haman. „Der da!“

Haman würde am liebsten im Boden versinken. Wie hätte er denn wissen sollen, dass die Königin auch eine Jüdin ist? Um Gnade flehend fällt er vor Esther auf die Knien. Das hätte er jetzt besser nicht gemacht. Dadurch wird der König nämlich noch wütender. Als dann auch noch einer der Diener kommt und erzählt, dass Haman in seinem Garten einen Galgen stehen hat, dreht Ahasveros ganz durch.

„Hängt ihn selber daran auf!“ schreit er.

 

Es ist der dreizehnte des Monats Adar. Das Volk der Juden wird nicht vernichtet.

Dank Gott. Und Mordechai sitzt am wichtigsten Posten im Land. Er ist der wichtigste Mann nach dem König. Alle lieben ihn, denn er möchte das Richtige für sein Volk tun.