Verfasser: Josine de Jong,
www.bijbelverhalen.nl
Uebersetzung:
Es
gehen viele tausende Füße durch die Stadt Susa. Füße mit schönen Schuhen, Füße
mit Lumpen umwickelt. Nackte Füße von Bettlern und Kinderfüßchen. Zwischen all
den unbekannten Füßen läuft ein ärmliches und trauriges Mädchen in viel zu
großen Sandalen. Ihr ganzes Eigentum trägt sie in einem kleinen Bündel mit
sich. Schlapp, schlapp.
„Wissen
sie vielleicht...“ fragt sie einige Menschen. Die zeigen in Richtung Palast.
Endlich klopft sie bei einem vornehmen Haus, in dem ein Diener des Königs wohnt,
an.
„Wohnt
hier Herr Mordechai?“ klingt es scheu.
Die
Tür öffnet sich weit.
Wer
ist denn dieses arme Kind und was macht sie bei diesem vornehmen Diener des
Königs? Es ist Hadassa, eine kleine Jüdin. Ihr Vater
und ihre Mutter sind gestorben und jetzt hat sie niemanden mehr der sich um sie
kümmern kann außer ihrem Onkel. Zum Glück ist Mordechai ein gläubiger Mann, mit
einem mitfühlenden Herzen für alles, was schwach und hilflos ist. Er zögert
keinen Moment, sondern nimmt Hadassa sofort in seiner
Familie auf, als ob sie seine eigene Tochter wäre.
„Wieso
weinst du, Hadassa?“
Mordechai
kann ihre Tränen gut verstehen. Er nimmt seine Nichte in den Arm und tröstet
sie. Er tröstet sie immer wieder, wenn der Schmerz zu groß wird. Aber nicht nur
das, Hadassa, die jetzt persisch Esther heißt,
bekommt von ihm schöne Kleider, gute Ernährung und eine Erziehung, die zu der
Familie eines hohen Beamten passt. Was für ein anderes Leben ist das für
Esther. Der Onkel wohnt auf dem ummauerten Gelände des Palastes, auch Burg
genannt.
Dort
gibt es viel zu erleben. Ausländische Gesandte kommen und gehen.
Bauchtänzerinnen und Feuerspucker zeigen ihre Künste. Wenn Esther sich von
ihrer Arbeit frei nehmen kann, findet man sie am Eingang des Palastes.
Eines
Tages beschließt Ahasveros, der König, ein Festmahl
für alle seine Fürsten auszurichten. Sechs Monate lang werden alle Schätze des
Palastes gezeigt. Am Ende des halben Jahres, dürfen die Knechte der Burg Susa,
die so viel extra Arbeit gehabt haben, selbst sieben Tage feiern. Der ganze
Vorhof wird umgebaut. Phantastisch! Statt dem normalen Straßenbelag werden rosa
Alabasterfliesen mit kleinen Stückchen
Perlmut eingelegt. Farbige Vorhänge werden zwischen weißen Marmorsäulen
aufgehängt. Jeder darf sich auf goldenen und silbernen Ruhebänken ausruhen und
vom königlichen Wein trinken.
Esther
probiert gleich aus, wie man auf den Bänken liegt.
„Onkel
Mordechai,“ seufzt sie, als sie später am Tag mit ihm
am Tisch sitzt. „Ich bin hier so glücklich, als ob ich im Himmel wäre.“
„Ach,
mein liebes Kind,“ lächelt Mordechai, während er ihre
Hand streichelt, „ der Himmel ist das hier nun wirklich nicht. Es ist alles nur
Show. Jeder versucht noch mehr Macht zu bekommen als der Nächste. Im einen
Moment stehst du in der Gunst und im nächsten ist es wieder vorbei. Aber ich
bin froh, dass es dir hier so gut gefällt.“
Der
Onkel hat Recht. Wer hätte auch gedacht, dass die Königin fortgeschickt
werden würde? Die schöne Königin Vasti. Dennoch ist es passiert. Esther steht da und schaut
zu, als Ihre Majestät sich weigert zu kommen, als ihr Mann sie gerufen hat. Sie
sollte ihre Schönheit einem Saal voller betrunkener Männer zeigen. Und so etwas
tut eine Dame nicht.
Esther
sieht, wie sie traurig in eine bereitstehende Kutsche steigt und mit
unbekannter Bestimmung wegfährt.
Noch
nach Wochen und Monate wird in der Burg Susa über dieses Geschehen geredet. Das
Meiste geht an Esther vorbei, weil sie viel zu tun hat mit ihrer Arbeit und ihrem
Studium. Eines Tages nimmt Mordechai sie beiseite.
„Esther,
mein liebes Kind,“ beginnt er vorsichtig, „heute
wurden an alle Enden des Königreiches Botschafter ausgesandt um eine neue
Königin zu suchen. Die schönsten Mädchen werden in den Palast geholt. Ich
denke, dass du eine gute Chance hast
ausgewählt zu werden. Findest du es in Ordnung, wenn ich dich bei Hegai vorschlage, dem Hüter der Frauen?“
Esther
wird gleich rot vor Verlegenheit. Denkt der Onkel wirklich dass sie....
„Wirklich,
Esther, vertraue mir. Nur, sage bitte keinem dass du eine Jüdin bist. Es gibt
soviel Diskriminierung.“
Und der Onkel hatte Recht. Hegai
ist sofort hin und weg von dem frischen und unverdorbenen Gesichtchen. Sie
bekommt die schönsten Zimmer im Frauenpalast und sieben Dienerinnen um ihr bei
allem behilflich zu sein. Esther muss lernen, wie sie sich benehmen und
reagieren muss. Sie muss gebadet werden in herrlichen Ölen. Teure Kleider
müssen angepasst werden und gut riechende Parfums müssen ausprobiert werden.
So
vergeht ein Jahr. Für Mordechai ist es eine schwere Zeit. Werden sie seine
liebe Esther auch freundlich behandeln? Jeden Abend steht er am Tor und wartet
auf Nachrichten von Esther. Manchmal fragt ihn Esther um Rat bei einem
schwierigen Problem.
Und
sein Ratschlag wird auch immer befolgt, denn Esther vertraut ihm.
Trara!
Endlich ist der große Augenblick gekommen und Esther ist an der Reihe um vor
dem König zu erscheinen. Mit großem Schwung öffnen sich die Türen des Saales und
da steht sie in einem bezaubernden Kleid aus weißer Seide. Ihr dunkles Haar
fällt in großen Locken auf ihre Schultern. Auf Empfehlung von Hegai hat Esther keinen auffälligen Schmuck an. Sie ist
selbst schon schön genug. Das findet jeder. Auch der König.
„Komm
näher, Esther“ flüstert er gerührt. „Du bist die Schönste von allen. Du wirst
die neue Königin.“
Ja,
und dann gibt es schon wieder ein Fest, ein Hochzeitsfest natürlich. Wie eine
Märchenprinzessin erscheint Esther am Arm ihres königlichen Gemahls auf dem
Balkon und das Volk jubelt. Überall wird getanzt, gesungen und gelacht. Der
König verteilt große Geschenke...
Aber
am meisten freut sich Mordechai. Seine Bemühungen waren nicht umsonst. Das arme
Waisenkind wird Königin. Dafür ist er GOTT sehr dankbar.