OT10 - Ein schrecklich schwieriger Auftrag

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

 

Bamm! Peng!

Der alte Abraham hackt Holz. Er konnte das genauso gut von einem Knecht machen lassen, aber er will sich einfach mal austoben.

 

„Es geht nicht anders!“ murmelt er, während er ein ordentliches Stück auf dem Block legt. „Unmöglich!!“

 

Er dreht das Holz eine Vierteldrehung und schlägt kräftig mit dem Beil zu. Das Holz spaltet sich in zwei Teile. Als er genug Holz hat, sattelt er den Esel. An seinem Bund hängt ein großes Messer. Ob Abraham verreisen will? Und warum ist er so entsetzt? Weißt du, GOTT hat ihm gestern einen schrecklich schweren Auftrag erteilt.

 

Abraham lag im Bett und ließ den vergangenen Tag noch mal an sich vorüber ziehen. Mit den Händen unter dem Kopf dachte er an die schönen Dinge, die er am Tag mit Isaak erlebt hatte.

 

„HERR, GOTT!“ flüsterte er. „Ich bin so glücklich... Weißt Du, heute mit dem jungen Kamel...“

 

Ja, Abraham erzählt GOTT alles. GOTT ist schließlich sein bester Freund. Und der HERR versteht ihn. ER ist selbst ja auch ein Vater. Aber vielleicht findet Er, dass es jetzt Zeit wird um Abraham etwas Wichtiges bei zu bringen, denn ER sagt: „ Gib mir deinen einzigen Sohn Isaak und opfere ihn als ein Brandopfer auf einem der Berge im Land Morija, den ich dir zeigen werde.“

 

Was? Abraham setzt sich gerade hin. Er bekommt eine Gänsehaut. Muss er seinen Sohn opfern?? Das kann doch nur ein Irrtum sein.

 

Er überlegt und überlegt. Und fängt von neuem an darüber nach zu denken. Grübeln, zweifeln, sich an Worte von früher erinnern...

 

„Es geht nicht anders!“ sagt Abraham dann schließlich zu sich selbst. „Die Verheißung wird mit Isaak weiter gehen... Es bleibt mir nichts anderes übrig als zu glauben, das er LEBEN wird! Vielleicht macht GOTT ihn wieder lebendig. Aber natürlich, so wird es sicher gehen!!“

 

Abraham vertraut GOTT hundert Prozent.

 

„Isaak, aufstehen. Wir gehen opfern.“ ruft Abraham.

 

Nein, er kann dem Jungen nicht alles erzählen. Und Sara auch nicht. Sie wird ihn aufhalten wollen. Es ist besser ihr nachher alles zu erklären, wenn er mit den Jungen zurückkommt.

 

„Habt ihr Brot dabei und genug Wasser für unterwegs?“ ruft er den beiden Knechten zu die mitgehen. Isaak springt vor lauter Aufregung herum. Für ihn ist das alles ein großes Abenteuer.

 

„Ach, mein Junge, wenn du bloß wüsstest.“ denkt Abraham. Wenn er nicht voll und ganz von GOTTes Verheißung überzeugt wäre.

 

„Vorwärts Grauer, vorwärts!“ Mit einem Zweig spornt er seinen Esel an.

 

Eine schöne Reise wird das nicht unbedingt. In der Gegend gibt es nicht viel zu sehen. Nach jedem Hügel kommt schon wieder der Nächste. Und Abraham ist sehr schweigsam. Der größte Teil des Tages sitzt Isaak auf dem Esel und döst vor sich hin. Endlich, nach drei Tagen sehen sie die Berge vom Land Morija.

 

„Dort oben gehen wir opfern,“ sagt Abraham und zeigt auf einem Hügel. Er gibt den Knechten den Auftrag mit dem Esel und dem Gepäck zu warten.

 

„Wenn wir gebetet haben, kommen wir wieder zu euch zurück,“ sagt er mehr zu sich selbst als zu den Knechten. Schwungvoll legt er das Bündel Brennholz auf Isaaks Schultern und nimmt selbst das Feuer..

 

Beim Besteigen des Berges musst du genau aufpassen, wo du deine Füße hinstellst.

Rollende Steine, unerwartete Löcher... Abraham keucht, weil er alt ist und Isaak, weil seine Last so schwer ist. Plötzlich fällt ihm auf, dass noch etwas fehlt.

 

„Vater,“ stöhnt er, „da ist Feuer und hier ist Holz, aber wo ist das Lamm, das wir opfern werden?“

 

Da hast du es. Was soll Abraham jetzt sagen?

 

„Der Herr wird dafür sorgen, dass es ein Lamm zum Brandopfer gibt, Kind!“

 

Es ist heraus bevor er darüber nachgedacht hat. Zum Glück! Isaak lächelt und klettert wieder weiter. Vermutet er etwas?

 

Bamm, bums.

 

Jeder Altar wird mit großen Steinen gebaut. Aber heute wiegt jeder Stein für Abraham mindestens hundert Pfund. Wie im Traum schichtet er das Holz darauf und dann... Der große Moment!

 

„Isaak, mein Sohn!... GOTT will dich!“ sagt Abraham.

Isaak erschrickt nicht. Er hat schon verstanden. Aber er hat auch nachgedacht. Ist er nicht das Kind von GOTTes Verheißung? Wie wird er zu einem großen Volk werden wenn er sterben muss?

 

„Hier bin ich, Vater!“

 

Das Seil gleitet um seine Arme, er wird aufgehoben. Sekunden später blitzt das Messer über seinen Kopf...

 

„ABRAHAM, ABRAHAM!“

 

 Gerade rechtzeitig. Eine Stimme aus dem Himmel...

 

„Ja HERR,“ Abraham lässt das Messer sinken.

 

„Töte den Jungen nicht, denn jetzt weiß ich, dass du mich liebst und mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten willst!“

 

Langsam begreift Abraham. Er braucht Isaak nicht zu opfern! GOTT weiß, dass er IHN liebt... Seine Arme entspannen sich. Schnell wird das Seil durchgeschnitten und Isaak befreit.

 

„Mein Kind, mein liebes Kind! Isaak!“

 

Ratsch, Krk, määäh!

 

Ganz nah im Gebüsch windet sich ein wunderschöner Widder. Wie konnte er so dumm sein und sich mit den Hörnern in den Zweigen zu verfangen... Aber für Abraham und Isaak ist er ein Geschenk des Himmels.

 

GOTT hat tatsächlich für ein Opfertier gesorgt!

 

Auf dem Berg Morija feiern sie ein Fest mit GOTT: Abraham und Isaak. Mit dem Rauch steigt auch die Dankbarkeit empor.

 

„Weil du dieses getan hast, Abraham, werde ich dich zu einem großen Volk machen und alle Menschen auf Erden werden durch dich gesegnet werden,“ spricht der HERR.

 

Oh, das war ein schwieriger Auftrag. Aber das allerschwierigste kommt erst noch.

Wenn GOTT selbst seinen einzigen geliebten Sohn als ein Opfer für die Welt geben wird. Aber davon haben Abraham und Isaak noch keine Ahnung. Das passiert erst zweitausend Jahre später.