OT09-Eine schwere Entscheidung

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

„Gratulation! Herzlichen Glückwunsch!“

 

Oh, Abraham ist so stolz. Sein Sohn Isaak ist heute drei Jahre alt geworden. Es wird um die Wette gelacht und geküsst. Aus alle Richtungen kommen Nachbarn und Freunde herbeigelaufen. Sie haben Geschenke dabei und warten fröhlich plaudernd bis sie an der Reihe sind um ihn und Sara zu gratulieren und ... Isaak natürlich auch.“

 

„Herzlichen Glückwunsch!“

 

Klein Isaak springt und hüpft die Kiste rauf und runter die Abraham nahe bei sich hingestellt hat. Dann steht er ein wenig höher. Er findet die ganze Aufmerksamkeit herrlich. Ab heute ist er kein Baby mehr. Er kann sich selbst anziehen, selbst essen, selbst irgendwo hingehen...

 

Und Sara? Sie ist noch viel glücklicher. Ihr Herzenswunsch hat sich erfüllt. Sie hat Jahr um Jahr auf dieses Kind gewartet... Es gab sogar Zeiten, da hat sie die Hoffnung aufgegeben. Damals hat sie sogar Abram gedrängt ihre Sklavin zu heiraten, damit sie trotzdem einen Sohn bekommen würde, nur, dass war nicht nach GOTTes Plan.

 

„Gratulation, Abraham und Sara, wir hoffen, dass euer Sohn ein langes gesundes Leben haben wird!“ tönt es immer wieder.

 

„Danke,“ lacht Sara, „Ja, GOTT hat uns zum lachen gebracht! Kannst du es dir vorstellen? Wir zwei, ein Kind!“

 

„He, he, he!!“

 

Beim Tisch mit Leckereien steht eine Gruppe Jugendlicher um einen kräftigen, gut gekleideten Burschen von ungefähr siebzehn Jahren. Er hat gerade das Bogenschießen gewonnen. Jeder klopft ihn beifällig auf die Schulter.

 

„He, Ismael, Wahnsinn,“ rufen sie.

 

Ismael streicht sich stolz durch seine Locken und spielt für seine Anhänger mit seinen Muskeln.

 

„Ihr seht schon wer hier der Führer des Stammes werden muss, oder?“ prahlt er, während er einen verächtlichen Blick in Isaaks Richtung wirft. Oh, er ist furchtbar eifersüchtig auf seinen kleinen Halbbruder. Vierzehn Jahre lang war er der einzige Sohn von Scheich Abram. Er wurde als Erbe angesehen. Aber seit dieses Baby Isaak da ist... Verächtlich spuckt Ismael auf den Boden. Muss dieses kleine Biest ihm vorgezogen werden, bloß weil seine Mutter die Herrin persönlich und keine Sklavin ist?

 

„He, Männer. Ich bin der Sieger!“ ruft er schrill.

 

Fällt es Abraham denn nicht auf, dass Ismael so eifersüchtig ist? Nein, eigentlich  nicht. Er hat andere Sachen im Kopf. Aber Sara hat es schon mitbekommen. Es tut ihr weh im Herzen, wenn sie hört wie Ismael seinen Freunden gegenüber über ihren Sohn spottet. Das darf nicht sein. Isaak ist das Kind mit dem GOTT einen Plan hat.

 

Als das Fest vorüber ist und alle Gäste wieder nach Hause gegangen sind, sagt sie: „Abraham, du musst Hagar und Ismael wegschicken. Isaak ist unser einziger Erbe, aber damit wird Ismael sich nie begnügen. Es ist jetzt schon so viel Hass da.

 

„Bist du von Sinnen!“ ruft Abraham. „Ismael ist mein Kind! Den schicke ich nicht einfach weg.“

Er rennt aus dem Zelt. Wie kann Sara so etwas vorschlagen. Der kalte Nachtwind beißt in sein Gesicht. Der Sternenhimmel über dem Zeltlager leuchtet beeindruckend.

 

„Oh, GOTT,“ betet Abraham. „Gib mir deinen Rat für Ismael und Isaak.“

 

Ismael schläft noch tief und fest, als Abraham am Morgen in sein Zelt kommt.

 

Er schaut wie sein Sohn dort liegt. Die dunklen Locken auf dem Kissen, der stolze Mund und die Härchen auf seiner Oberlippe, der Anfang eines Schnurrbartes.

 

Gestern Abend hatte GOTT ihm geantwortet.

 

„Abraham, mach das was Sara dir vorgeschlagen hat. Schick die Sklavin und ihren Sohn fort, zurück nach Ägypten. Denn die Verheißung, die Ich dir gegeben habe, über das Volk, das geboren wird, geht mit Isaak weiter und nicht mit Ismael. Aber sei beruhigt! Auch Hagars Sohn werde ich zu einem Volk machen, weil er dein Nachkomme ist.“

 

„Ismael!“ ruft Abraham leise...

 

An diesem Abend kann Abraham nur schlecht einschlafen. Er muss immer wieder an Hagar und Ismael denken. Wie es ihnen wohl gehen wird? In Gedanken sieht er sie laufen. Hagar voraus und Ismael unwillig dahinter, seine Fäusten geballt, seine Schultern gerade vor Empörung. Er denkt über den Weg nach, den sie gehen müssen. Ein schwerer Weg. Quer durch die steinige Wüste von Beerscheba.

 

Wo werden sie schlafen?  Wie werden sie etwas zu essen finden?

 

Abraham kann ihnen nicht helfen, aber der HERR schon.

 

Monate später kommt ein Bote vorbei und bringt gute Nachrichten.

 

Ismael ist mit einem ägyptischen Mädchen verheiratet. Sie wohnen jetzt in der Wüste Paran, Ismael ist dort ein Bogenschütze. Abraham und Sara freuen sich das zu hören. Sie wollen alles ganz genau wissen.

 

Und so hören sie auch wie die Reise nach Ägypten verlaufen ist.

 

Der HERR hatte Ismael bewahrt. Als sie sich unterwegs nämlich verlaufen hatten und Ismael fast verdurstet wäre, zeigte GOTT Hagar einen Brunnen und tröstete sie. Er sprach: „Hagar, hab keine Angst. Nimm den Jungen, denn Ich will ihn zu einem großen Volk machen.“

 

„Ai, ai, ai,“ rufen alle, „was für ein großes Wunder!“

 

Abraham und Sara nehmen sich an den runzligen Händen und danken GOTT. Klein Isaak kommt angerannt. Er klettert auf Abrahams Schoß. Er kuschelt sich zu Abraham.

 

Warum sind die Erwachsenen so froh? Was ist passiert? Weißt du, wenn man erst vier Jahre alt ist, dann versteht man es noch nicht, dass man manchmal schwere Entscheidungen treffen muss im Leben.

 

Das kommt schon noch, später wenn er groß ist. Denn mit Isaak geht die Geschichte weiter.