OT08 - Stern der Hoffnung

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

So schöne Teppiche wie Sara,  die Frau des Hirtenfürsten Abraham weben kann, siehst du nirgendwo. Herrliche Farben und Muster. Jeder Scheich würde gerne so ein fantastisches Kunstwerk in seinem Zelt liegen haben. Und in jeden Teppich hat Sara ihre Gedanken und ihre Hoffnungen mit eingewoben.  Wenn sie ihre Teppiche noch einmal in der Hand nimmt, weiß sie noch genau an was sie damals gedacht hat. Der blaue Teppich mit dem gelben Stern... Den hat sie vor 25 Jahren gemacht, als sie noch in Haran wohnten. Sie nennt ihn noch immer „Stern der Hoffnung.“ Sie hatte damit angefangen als Abraham...

 

„Frau,“ sagte Abram aufgeregt, „Der HERR hat zu mir geredet. Wir müssen uns auf den Weg machen in ein unbekanntes Land. ER wird es uns zeigen. Und, hör mal!“ (Er nahm ihr hübsches Gesicht in seine Hände.) „Wir werden ein großes Volk werden, sagt ER. Alle Menschen auf der Welt werden durch uns gesegnet werden.“

 

Sie küssten sich. Küssten sich und lachten. Abram und Sarai. Zwei Menschen die sich am Wort GOTTes festklammerten. An dem Tag fing Sarai mit einen neuen Teppich an. Und auf den gelben Stern fielen Tränen aus Dankbarkeit. Sie, eine Frau, die keine Kinder bekommen konnte, würde zu einem großen Volk werden. Stern der Hoffnung.

 

Viele Teppiche hat sie seit dem gewoben. Wenn man keine Kinder bekommt, hat man dafür viel Zeit. Die schlanken Hände Sarais ziehen aus dem Stapel Teppiche einen fast nachtschwarzen Teppich hervor mit hunderten farbige Tupfern, große und kleine. „Sterne in der Nacht,“ flüstert sie, während sie den Teppich glatt streicht. Diesen Teppich machte sie als...

 

„Sarai, schläfst du schon? Komm doch mal. Schnell, steh auf und komm doch schauen...“

 

Hand in Hand schauten sie vor ihrem Zelt zum strahlenden Nachthimmel  hinauf.

Abram legte ein Tuch um ihre Schultern und zeigte... „Schau Sarai, all diese Sterne. Siehst du?“  Über seine eigenen Worte stolpernd erzählte er ihr, was der HERR ihm gerade gesagt hatte.  „Unsere Nachkommen werden sein wie die Sterne am Himmel. Kannst du sie zählen? Stell dir das mal vor. Nicht Elieser unser Knecht, sondern unser Sohn, mit ihm wird es weitergehen wenn wir nicht mehr da sind!“

 

Es wurde die schönste Nacht ihres Lebens. Abraham und GOTT schlossen sogar einen Bund miteinander.

Sarai legt den Teppich „Sterne der Nacht“ wieder zur Seite. Morgen wird sie ihn von ihren Mägden wieder einmal ordentlich ausschlagen lassen. Dann wird er  wieder schön frisch aussehen. Hatschi! Sie muss sogar niesen. Was für ein Staub. Hoppla, aufpassen. Fast wäre sie über einen Teppich gestolpert, der aufgerollt an der Seite liegt. Es ist ein Teppich voller Flecken. Jahrelang benutzt. Als er neu war, war er Braun mit einem roten Punktmuster und weißen Karos gewesen. Es ist der Teppich den sie gemacht hatte als Hagar, ihre Magd, mit Ismael schwanger war. Milch wurde darauf gekleckert und Fett. Der muss dringend mal sauber gemacht werden.

 

„Haben wir das schon richtig gemacht?“ fragt sich Sarai. Ihre Gedanken gehen zurück zu der Zeit als Abram und sie den Beschluss fassten um...

 

„Abram, hör mal. Der HERR hat mir nun all die Jahre keine Kinder geschenkt. Jetzt habe ich mir gedacht, wenn du nun meine Sklavin heiraten würdest... Und sie bekommt ein Kind, dann ist es auch mein Kind.“ So hat Sarai eines Tages zu ihrem Mann gesprochen. Es war eigentlich eine Notlösung.  Eine törichte Idee.  Dennoch... Abram war einverstanden. Und so wurde Ismael geboren, ein strammer Junge mit krausem Haar. Jeder war verrückt nach ihm. Aber er blieb Hagars Sohn. Und das ließ Hagar Sarai auch merken. Was für Probleme hatten sie deswegen gehabt.

 

Sarai schaut durch das aufgeklappte Zelttuch hinaus. Dort hinten auf den großen Stein unter der Terabinthe sitzt Ismael. Er schnitzt Pfeile und scherzt mit seiner Mutter Hagar.

 

„Frau Sara, wo soll ich diese Wolle hinlegen?“

 

Eine junge Magd kommt herein mit einen Korb voller frisch gesponnene Wolle, „Was? Leg es nur neben meinem Webstuhl, Mädchen.“

 

Komisch, es ist so ungewöhnlich Sara genannt zu werden und nicht Sarai. Sara, das heißt Königin.  Jedes Mal wenn jemand sie Sara nennt würde sie am liebsten anfangen zu lachen. Das hat vergangene Woche angefangen, ein paar Tage nachdem Abram 99 Jahre alt geworden war.

 

„Frau!“ rief Abram, während er froh auf sie zukam, seinen Stock hoch haltend.

„Frau, es geht doch weiter. Mir ist der HERR wieder erschienen, genau wie früher. Wir werden doch ein Kind bekommen, du und ich!“

 

Sara hatte einen richtigen Lachanfall bekommen. Sie hatte ihren alten Mann herzhaft umarmt. „Klar doch! Du Witzbold!“

Aber er meinte es todernst. Voller Freude erzählte er von seiner Begegnung mit GOTT, als er in den Bergen gebetet hatte.

„Wirklich Sarai, GOTT nannte deutlich deinen Namen. „Deine Frau Sarai wird einen Sohn gebären. GOTT sagte sogar wie das Kind heißen wird: Isaak, das bedeutet Lachen. Sarai glaubst du mir etwa nicht?“

„Quäle mich nicht, Abram, das geht doch gar nicht mehr.“

„Ich habe es auch nicht glauben können, aber der HERR hat es so bestimmt. Er gab uns sogar NEUE NAMEN! Du sollst mich in Zukunft nicht mehr Abram nennen, sondern ABRAHAM, VATER VON VIELEN VÖLKER und du...“ Abram macht eine kurze Pause um die Spannung noch etwas zu erhöhen, „SARA, KÖNIGIN! Wie klingt das?“

„Aber Abraham!“

 

Sara wischt sich den Schweiß vom Gesicht. Puh! Es ist so heiß mitten am Tag. Diese Woche wird es wohl nichts mehr werden mit Teppich weben. Es wird ein Fest gefeiert, die Beschneidung. GOTT hat das befohlen. Alle Männer, auch Abraham und Ismael, alle in ihrem Haus geborene oder gekaufte Sklaven, müssen tief davon durchdrungen werden, dass DAS KIND einst kommen wird. Dieses Fest bekräftigt GOTTes Bund mit ihnen. Es wartet eine anstrengende Woche auf sie. Voller froher Gedanken greift Sara mit ihren Händen in die weiche, frisch gesponnene Wolle hinein. Ob sie hier von wirklich noch einmal Kinderkleider weben wird?