Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl
Uebersetzung: Anke Podesser
Die Frechen besitzen die Welt. Kennst du dieses Sprichwort? Nein? Hast
du auch schon bemerkt dass die frechsten Jungen und Mädchen in der Klasse die
tollsten Arbeiten tun dürfen für die Frau Lehrerin oder den Herr Lehrer? Die
ruhigen Kinder kommen einfach fast nicht zum Zug.
Dennoch... Aber warte mal. Weißt du welches Sprichwort noch schöner ist?
Dieses: „ Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben“
(Matth. 5,5). Das ganze Land ist mehr als nur ein Teil! Soll ich dich
mal von Abram erzählen? Er war auch so sanftmütig. Pass auf...
„Platsch! Bums, Klatsch!“
„ Jawohl, hier, nimm. Ich schlage dich ins Gesicht. Das hast du
verdient, du! Dreckiger...“
Oh, schau doch mal. Ein paar Hirten kämpfen beim Brunnen von Bethel.
Ihre Kollegen stehen rund herum. Laut lassen sie ihre Zustimmung oder ihren
Protest hören. Es ist ein sehr harter Kampf. Es fließt sogar Blut. Und weißt du
was das Schlimmste dabei ist? Die Hirten gehören zu... Abram und sein Neffe
Lot. Die sollten es doch eigentlich besser wissen!
Worum geht es denn eigentlich? Wir sollten besser nicht bei den
kämpfenden Hirten nachfragen. Dann schreien sie bloß alle durcheinander. Davon
wirst du auch nicht klüger.
Nein, eigentlich ist einfach das Land zu klein. Abram ist nämlich sehr
reich geworden. Er besitzt viel Gold und Silber und auch sehr viel Vieh. Aber
Lot, sein Neffe, der mit ihm aus Ur in Chaldäa ausgezogen ist, ist auch nicht
gerade arm geblieben. Schafe, Kühe, viele Zelte und Knechte...
Ja, und dann kommen die Probleme.
„Wir waren zuerst bei diesem Brunnen“.
„Auf diesem Stück Land weiden unsere Schafe immer!“
Die Spannungen werden mit jedem Tag größer.
„Also Neffe,“ sagt Abram eines Tages, als wieder so ein schrecklicher
Kampf stattgefunden hat, „das muss aufhören. All diese Streitigkeiten zwischen
deinen Hirten und meinen Hirten. Wir
bekommen selbst auch Probleme dadurch.
Sollen wir mal sehen wie wir das Ganze lösen können?“
Jeder steigt auf seinen Esel und sie reiten auf eine hohe Bergspitze,
von wo sie das Land gut überblicken können. Es ist ein ermüdender Ritt, aber
die Aussicht ist dann umso schöner. Links liegt das Land der Kanaaniter und der
Pereziter, wo sie ganz weit weg ihre Zelten und Leuten erkennen können, rechts
ein herrliches Gebiet am Jordan entlang, ein richtiges Paradies. Wasser in
Überfluss... Mehr als genug Gras für die Tiere und nicht zu vergessen, zwei
Städte, Sodom und Gomorra, wo man gemütlich einkaufen kann. Die Wahl ist nicht
schwierig. Wer würde nicht gerne in so ein wunderschönes Gebiet wohnen?
In diesem Moment stellt sich heraus das Abram der Sanftmütigere der
Beiden ist.
Obwohl er der Ältere ist und darum das Recht hätte zuerst zu wählen...
Obwohl er von GOTT gerufen wurde und Lot nicht, sagt er freundlich: „Wähle du
nur Neffe. Gehst du nach links, dann gehe ich nach rechts. Gehst du nach
rechts, dann gehe ich nach links.“
Was für ein fantastischer Mann! Was Lot wählt kannst du dir sicher
denken. Er meint das beste Teil zu bekommen, aber später wird er dahinter
kommen, dass die Einwohner von Sodom sehr schlecht sind und dauernd gegen GOTT
sündigen. Das wird dann fast sein Untergang.
„Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen Tante, auf Wiedersehen Onkel!“
„Auf Wiedersehen Lot, lass es dir gut gehen! Wir sehen uns sicher wieder
mal, oder?“
Der Tag des großen Auszuges ist gekommen. Alle Streitigkeiten wurden
beigelegt, Hände wurden geschüttelt, Kinder werden noch schnell umarmt und dann
zieht der Zug dahin. Lot vorne weg, auf ein herrliches Kamel, das Abram einst
vom ägyptischen Pharao bekommen hat. Die Zukunft lacht ihn entgegen.
„Ich werde euch nachschauen, oben am Berg,“ sagt Abram herzlich. Es geht
ihm sehr nah, dass sein Neffe wegzieht. Er hat ihn sehr gemocht. Ihn, seine
Frau und ihre zwei Töchterchen. Immer kleiner werden die Figuren dort im grünen
Tal.
Abram sieht sie gehen. Ab und zu winkt er ihnen. Vielleicht sieht Lot
ihn noch...
Dann überfällt ihn ein Gefühl von Trauer und Verlassenheit. Er muss sich
kurz setzen. Ein paar Klippendachse laufen knapp vor Abrams Füssen vorbei.
Schnell wie der Wind klettern sie den steilen Felsen hoch. Abram ist nicht sehr
erstaunt darüber. Eine Gemse steht gegenüber auf einer Felsspitze und schaut
ihn unverwandt an. Abram achtet nicht darauf. Er denkt über das Leben nach. So
von oben herab erscheint alles so unwichtig. Er ist schon reich, aber ein
eigenes Stück land und einen Erben haben Sara und er nicht. Für was lebt man
dann eigentlich? Ja, damals... Damals in Haran, da hat der HERR ihnen
versprochen dass durch sie alle Menschen der Welt gesegnet werden würden. Aber
wie denn?
„Abram!“
Warte mal! Da ertönt ja GOTTes Stimme wieder genauso wie damals in
Haran.
„Abram, schau mal nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen.
Das ganze Land dass du siehst werde ich für immer dir und deinen Nachkommen
geben...
Abram dreht sich um und schaut. Das ganze Land? Soweit seine Augen sehen
können... für ihn?
Wow! Und als ob der HERR Abrams Gedanken lesen kann, fügt Er noch hinzu:
„Und ich werde deinen Nachkommen wie der Staub der Erde machen. Wenn jemand den
zählen könnte, könnte man auch deine Nachkommen zählen...“
Abram kommt aus dem Staunen nicht heraus. Möchte der HERR ihm so
glücklich machen? Wirklich?
„Abram, steh auf, mach vorwärts. Schau dir das Land genau an, denn Ich
werde es dir geben.“
Abram lächelt als er sein Bein über den Rücken seines Esels schwingt.
Was für ein herrlicher, liebevoller GOTT. Was für eine hoffnungsvolle Zukunft.
„Klack, klack!“ macht er mit seiner Zunge.
„Vorsicht Grauer. Vorsicht beim Abstieg. Brich dir deine Beine nicht. Du
trägst eine wichtige Persönlichkeit,“ ruft er seinen Esel fröhlich zu.
Pfff! Die anderen Leute sollten ihn mal hören!
„Wie der Staub der Erde...“ denkt er bei sich selbst. Alle Achtung! Ob
Sara das glauben wird?... Was für eine Erbschaft!!!