OT06 - GOTT gibt den sanftmütigen Abram ein Versprechen

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

Die Frechen besitzen die Welt. Kennst du dieses Sprichwort? Nein? Hast du auch schon bemerkt dass die frechsten Jungen und Mädchen in der Klasse die tollsten Arbeiten tun dürfen für die Frau Lehrerin oder den Herr Lehrer? Die ruhigen Kinder kommen einfach fast nicht zum Zug.

Dennoch... Aber warte mal. Weißt du welches Sprichwort noch schöner ist? Dieses: „ Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben“

(Matth. 5,5). Das ganze Land ist mehr als nur ein Teil! Soll ich dich mal von Abram erzählen? Er war auch so sanftmütig. Pass auf...

 

„Platsch! Bums, Klatsch!“

„ Jawohl, hier, nimm. Ich schlage dich ins Gesicht. Das hast du verdient, du! Dreckiger...“

Oh, schau doch mal. Ein paar Hirten kämpfen beim Brunnen von Bethel. Ihre Kollegen stehen rund herum. Laut lassen sie ihre Zustimmung oder ihren Protest hören. Es ist ein sehr harter Kampf. Es fließt sogar Blut. Und weißt du was das Schlimmste dabei ist? Die Hirten gehören zu... Abram und sein Neffe Lot. Die sollten es doch eigentlich besser wissen!

Worum geht es denn eigentlich? Wir sollten besser nicht bei den kämpfenden Hirten nachfragen. Dann schreien sie bloß alle durcheinander. Davon wirst du auch nicht klüger.

Nein, eigentlich ist einfach das Land zu klein. Abram ist nämlich sehr reich geworden. Er besitzt viel Gold und Silber und auch sehr viel Vieh. Aber Lot, sein Neffe, der mit ihm aus Ur in Chaldäa ausgezogen ist, ist auch nicht gerade arm geblieben. Schafe, Kühe, viele Zelte und Knechte...

Ja, und dann kommen die Probleme.

„Wir waren zuerst bei diesem Brunnen“.

„Auf diesem Stück Land weiden unsere Schafe immer!“

Die Spannungen werden mit jedem Tag größer.

„Also Neffe,“ sagt Abram eines Tages, als wieder so ein schrecklicher Kampf stattgefunden hat, „das muss aufhören. All diese Streitigkeiten zwischen deinen Hirten und meinen  Hirten. Wir bekommen selbst auch  Probleme dadurch. Sollen wir mal sehen wie wir das Ganze lösen können?“

Jeder steigt auf seinen Esel und sie reiten auf eine hohe Bergspitze, von wo sie das Land gut überblicken können. Es ist ein ermüdender Ritt, aber die Aussicht ist dann umso schöner. Links liegt das Land der Kanaaniter und der Pereziter, wo sie ganz weit weg ihre Zelten und Leuten erkennen können, rechts ein herrliches Gebiet am Jordan entlang, ein richtiges Paradies. Wasser in Überfluss... Mehr als genug Gras für die Tiere und nicht zu vergessen, zwei Städte, Sodom und Gomorra, wo man gemütlich einkaufen kann. Die Wahl ist nicht schwierig. Wer würde nicht gerne in so ein wunderschönes Gebiet wohnen?

In diesem Moment stellt sich heraus das Abram der Sanftmütigere der Beiden ist.

Obwohl er der Ältere ist und darum das Recht hätte zuerst zu wählen... Obwohl er von GOTT gerufen wurde und Lot nicht, sagt er freundlich: „Wähle du nur Neffe. Gehst du nach links, dann gehe ich nach rechts. Gehst du nach rechts, dann gehe ich nach links.“

Was für ein fantastischer Mann! Was Lot wählt kannst du dir sicher denken. Er meint das beste Teil zu bekommen, aber später wird er dahinter kommen, dass die Einwohner von Sodom sehr schlecht sind und dauernd gegen GOTT sündigen. Das wird dann fast sein Untergang.

 

„Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen Tante, auf Wiedersehen Onkel!“

„Auf Wiedersehen Lot, lass es dir gut gehen! Wir sehen uns sicher wieder mal, oder?“

Der Tag des großen Auszuges ist gekommen. Alle Streitigkeiten wurden beigelegt, Hände wurden geschüttelt, Kinder werden noch schnell umarmt und dann zieht der Zug dahin. Lot vorne weg, auf ein herrliches Kamel, das Abram einst vom ägyptischen Pharao bekommen hat. Die Zukunft lacht ihn entgegen.

„Ich werde euch nachschauen, oben am Berg,“ sagt Abram herzlich. Es geht ihm sehr nah, dass sein Neffe wegzieht. Er hat ihn sehr gemocht. Ihn, seine Frau und ihre zwei Töchterchen. Immer kleiner werden die Figuren dort im grünen Tal.

Abram sieht sie gehen. Ab und zu winkt er ihnen. Vielleicht sieht Lot ihn noch...

Dann überfällt ihn ein Gefühl von Trauer und Verlassenheit. Er muss sich kurz setzen. Ein paar Klippendachse laufen knapp vor Abrams Füssen vorbei. Schnell wie der Wind klettern sie den steilen Felsen hoch. Abram ist nicht sehr erstaunt darüber. Eine Gemse steht gegenüber auf einer Felsspitze und schaut ihn unverwandt an. Abram achtet nicht darauf. Er denkt über das Leben nach. So von oben herab erscheint alles so unwichtig. Er ist schon reich, aber ein eigenes Stück land und einen Erben haben Sara und er nicht. Für was lebt man dann eigentlich? Ja, damals... Damals in Haran, da hat der HERR ihnen versprochen dass durch sie alle Menschen der Welt gesegnet werden würden. Aber wie denn?

„Abram!“

Warte mal! Da ertönt ja GOTTes Stimme wieder genauso wie damals in Haran.

„Abram, schau mal nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen. Das ganze Land dass du siehst werde ich für immer dir und deinen Nachkommen geben...

Abram dreht sich um und schaut. Das ganze Land? Soweit seine Augen sehen können... für ihn?

Wow! Und als ob der HERR Abrams Gedanken lesen kann, fügt Er noch hinzu: „Und ich werde deinen Nachkommen wie der Staub der Erde machen. Wenn jemand den zählen könnte, könnte man auch deine Nachkommen zählen...“

Abram kommt aus dem Staunen nicht heraus. Möchte der HERR ihm so glücklich machen? Wirklich?

„Abram, steh auf, mach vorwärts. Schau dir das Land genau an, denn Ich werde es dir geben.“

Abram lächelt als er sein Bein über den Rücken seines Esels schwingt. Was für ein herrlicher, liebevoller GOTT. Was für eine hoffnungsvolle Zukunft.

„Klack, klack!“ macht er mit seiner Zunge.

„Vorsicht Grauer. Vorsicht beim Abstieg. Brich dir deine Beine nicht. Du trägst eine wichtige Persönlichkeit,“ ruft er seinen Esel fröhlich zu.

Pfff! Die anderen Leute sollten ihn mal hören!

„Wie der Staub der Erde...“ denkt er bei sich selbst. Alle Achtung! Ob Sara das glauben wird?... Was für eine Erbschaft!!!