OT05 - Der gesegnete Scheich

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

 

„Papa, Papa! Da kommt eine ganze Karawane mit Menschen und Tieren. Sie wollen  durch unser Land ziehen, Papa. Komm schnell!“

 

Ein kleiner braungebrannter Junge rennt stolpernd zum Platz wo sein Vater gerade einen jungen Esel zähmt.

 

„Papa, jetzt komm schon!“

 

Boes, sein Vater, lässt seine Arbeit im Stich und läuft mit großen Schritten der Karawane entgegen. Ein freundliches Lächeln vom Führer überzeugt ihn davon, dass die Gruppe friedliche Absichten hat. „Dürfen wir durch euer Land ziehen und euren Brunnen benutzen?“ fragt der Mann, der mit einem farbigen Kleid aus Haran bekleidet ist. „Wir werden euch reichlich dafür belohnen.“

 

„Aber natürlich, verehrter Scheich,“ antwortet Vater Boes während er sich verneigt, „Wir achten es für eine große Ehre.“

 

Seine rechte Hand macht eine einladende Bewegung. Und diese Gastfreundschaft wird Boes nicht bereuen, GOTT segnet ihn und seine Familie für das was er für Abram tut.

 

„Verschwinde! Du setzt keinen Fuß auf mein Land, hörst du!“

 

Nicht überall wo der Scheich mit seinen Leuten und Tieren hin kommt, ist man freundlich. Oh nein!  Manchmal wirft man mit Steinen nach ihm oder bedroht ihn mit Stöcken. Aber was eigenartig ist, ist das es auf irgendeine Art und Weise schlecht endet mit diesen Menschen. Armut trifft sie, das Vieh wird krank oder die Ernte ist sehr schlecht.

 

Wer ist dieser Scheich und woher kommt er? Und... wohin geht er? Es ist Abram, ein Hirtenfürst aus Mesopotamien, der mit seiner Frau Sara, seinem Neffen Lot, vielen Knechten und viel Vieh in ein unbekanntes Land unterwegs ist. Er hat nicht immer in Zelten gewohnt. Seine Familie besaß ein prächtiges Haus in Ur.

Aber jetzt ist er zu einem herumziehenden Hirten geworden. Und das geschah so.

 

„Puh!“ Abram der zweite Sohn Terachs, plumpst in die Kissen. Die Gäste des heutigen Abends sind gegangen. Knechte laufen hin und her um die Reste des Festes aufzuräumen.

„Pfui! Was für ein hohles Getue,“ denkt Abram, während er seine Hände hinter seinen Kopf verschränkt. Die Leute redeten nur über Reichtum, Sachen kaufen und wer nun wirklich wichtig ist.“

 

Ach, Abram würde so gerne über Sachen reden die ihn beschäftigen. Zum Beispiel: „Wieso lebe ich eigentlich?“

 

Plötzlich: Bums! Mit einem Schlag fällt ein großes Götzenbild von einem niedrigen Tisch. Erstaunt schaut Abram um sich. Wer war denn das? Die anderen Götzen- bilder starren ihn an, als ob sie sagen möchten: „Halte uns da raus.“

 

Abram steht auf und schaut sich die Stücke an. Mit ein bisschen Leim kann man alles schon noch reparieren. Aber einen Gott reparieren? Ist ein kaputter GOTT schon noch mächtig genug?

 

„Was tust du da, Abram?“

 

Vater Terach steht in der Türöffnung. Er sieht was geschehen ist.

„Vater, er ist von alleine umgefallen. Soll ich ihn...“

Terach unterbricht seinen Sohn mit einem Lächeln.

„Ach, lass nur. Wirf ihn weg. Und nimm die anderen Bilder am Besten gleich mit.

 

Zufällig hatte ich heute Abend ein Gespräch über etwas was mich schon eine Weile beschäftigt. Ich meine die Götzenbilder. Es ist doch eigentlich dumm, sie anzubeten. Das sind ja nur Figuren.“

 

Abram ist erleichtert, dass Vater so darüber denkt, obwohl er sich doch fragt, was ihre Freunde und Verwandte dazu sagen werden,  wenn sie bemerken, dass die Bilder weg sind. Seit damals suchen Terach und Abram den HERRN, der Schöpfer von Himmel und Erde.

 

Und der HERR ist froh über Abram. Eines Tages redet er zu ihm: „Abram geh aus deinem Land und aus deiner Familie fort. Geh in einem Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen und dich segnen. Ich werde deinen Name bekannt machen. Jeden, der gut zu dir ist werde ich segnen, und jeden, der dich verwünscht, werde ich verfluchen. UND IN DIR WERDEN ALLE GESCHLECHTER DER ERDE GESEGNET WERDEN.“

 

Dennoch musste erst noch etwas Schlimmes passieren, bevor Terach und Abram so weit wären, dass sie loszogen. Und der große Schlag war... Haran, Abrams jüngerer Bruder, starb. Es war ein ordentlicher Auszug  als Terach, Abram und seine junge Frau Sara, Nahor und seine Frau Milka, und dazu Lot, Harans Sohn, sich auf dem Weg machten, am Fluss entlang, richtung Norden.

 

Eigentlich hat Terach Harans Tod nie verkraftet. Als sie nach Monaten in einer kleinen Ortschaft in Mesopotamien ankamen, nannte er die Stadt nach seinem verstorbenen Sohn, Haran. Terach wurde alt, sehr alt und traurig. Immer redete er von früher und von seinem verstorbenen Sohn, Haran. Darum blieb die Gruppe länger in Haran als geplant. Wieder musste GOTT eingreifen, um ihn aus dieser Gesellschaft, in der die Mondgöttin angebetet wurde, weg zu locken.

Terach starb und wurde beeerdigt.

 

„Abram,“ ertönte wieder GOTTes Stimme, „geh aus deinem Land in das Land das ich dir zeigen werde.“

 

Sie zogen los, Abram, Sara und Lot mit viel Vieh. Auch viele Freunde gingen mit ihnen, Menschen zu denen Abram über der HERRN GOTT gesprochen hatte. Überall wo er hinkam ließ er eine Spur von Freundlichkeit, von Ehrlichkeit und Liebe zu GOTT zurück.

 

Der HERR und Abram waren Freunde geworden. Sie redeten mit einander über alles. Bei Sichem angekommen, unter einen alten Baum, gab der HERR Abram sogar ein Geschenk. Ein enorm schönes Versprechen.

 

„Abram, dieses Land gehört jetzt den Kanaaniter, aber irgendwann wird es für dir und deinen Nachkommen gehören.“

 

Abram war sehr froh. Er schaute um sich und fühlte sich glücklich. Mit der Hilfe von seinen Knechten und von Lot baute er aus Dankbarkeit einen großen Altar und opferte seinen besten Stier. Der Altar blieb dort stehen, noch lange nachdem die Karawane weiter gezogen war.

 

Von diesem Tag an kamen immer mehr Altäre. Bei Bethel und weiter nach Süden. So wurden die Kanaaniter daran erinnert, dass es einen lebendigen GOTT gibt, der sie segnen möchte.

 

Immer öfter hörte man: „ Scheich Abram! Was für eine Ehre, dass Sie unser Land und unser Wasser benutzen möchten. Bei uns sind Sie willkommen!“