OT02 - Der Mann sucht eine Frau

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

Es war Elternabend. Als die Kinder von Lehrerin Connie am Morgen in die Klasse kommen, muss zuerst aufgeräumt werden.

 

„Stefan, sammelst du bitte die Zeichenhefte ein und Andy die Bücher,“ sagt sie. Martina, die herumhüpft weil sie auch etwas tun möchte, protestiert lauthals.

„Frau Lehrerin, das ist gemein. Sie nehmen nur Buben.“

Die Lehrerin antwortet erstaunt: „Es geht doch nicht um Buben oder Mädchen, Martina. Ich wähle einfach ein paar Kinder aus.“

Andy genießt es eigentlich schon ein bisschen dass Martina nicht helfen darf. Er neckt sie: „Mädchen sind nicht wichtig. Weißt du warum nicht? Sie sind nicht einmal auf einer Banknote. Haha!“

Sofort fangen die Buben an vor Freude auf die Bänke zu trommeln, während die Mädchen bestürzt dreinschauen. Die Lehrerin beruhigt sie lächelnd.

„Gleich werde ich euch eine Geschichte erzählen, die zeigt wie wichtig Frauen sind.“

Kurze Zeit später sitzen sie gemütlich im Kreis und hören gespannt zu.

 

Im prächtigen Garten Eden steht ein Mann und schaut mit riesigen Augen voller Erstaunen. Abwechselnd schaut er sich selbst an und die Welt um ihn herum. Es ist Adam, der erste Mensch. Die herrlichen Düfte, das Rauschen der Bäume und der Flügelschlag von einem wegfliegenden Vogel...

Es ist so schön. Vorsichtig setzt er seine Füßen auf das nagelneue Gras das zwischen seinen Zehen kribbelt.

„GOTT Vater,“ flüstert er ehrfurchtsvoll. „ Ich bin so erstaunt. Was ist dies alles? Warum bin ich hier?“

Und GOTT der Vater, der ihn ganz nah ist, antwortet liebevoll: „ Das ist Leben, mein Kind. Ich gebe dir diesen Garten als Lebensraum. Du musst ihn bearbeiten und bewahren.“

„Leben mit einem Auftrag?“ denkt Adam. „Was werde ich alles erleben? Ich kann riechen, sehen, hören, fühlen...“

Um ihn herum bewegt sich alles, es hüpft, springt, flattert, kriecht... Mmm! Interessant! Es gibt vieles zu entdecken.

 

Was für eine Welt. Was für ein Leben! Im einen Moment liegt Adam auf den Knien vor einem großen Ameisenhaufen und im nächsten Moment sieht er einen Käfer, der Bällchen rollen kann, oder einen Fisch, der mit Wassertropfen schießt... Irgendwo in einem Strauch sitzen ein paar junge Vögel und zwitschern laut um Essen, ihre Schnäbelchen weit geöffnet. Die Alten fliegen hin und her. Adams eigener Magen fängt auch an zu knurren. Würde es etwas zu essen für ihn geben? Überall wächst herrliches Obst an den Bäumen, das man einfach so pflücken kann. Er läuft hinüber, aber GOTT hält ihn zurück.

„Warte ein Moment Adam. Zuerst muss  Ich dir etwas erzählen. Von allen Bäumen im Garten darfst du essen, auch von dem Baum des Lebens, dort in der Mitte. Aber von dem Baum daneben musst du die Finger lassen. Das ist der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, wenn du davon isst wirst du sterben.“

 

Sag mal, hat GOTT jetzt etwas gemacht was nicht gut ist? Ein Baum, wegen dem man sterben muss? Nein. Es ist genauso wie mit Elektrizität. Der Mensch muss lernen damit umzugehen. Er muss wählen lernen. Das Gute tun und das Böse lassen. Adam überlegt bei sich selbst.

„Sterben? Ist das vielleicht aufhören zu leben? Das wäre ja schrecklich. Das möchte ich nicht.“ Und er wendet sich resolut ab. Es gibt noch genug andere Bäume von denen man essen kann... Bäume mit runden Früchten, mit kleinen Früchten, Bäume mit Trauben. GOTT hat sich alles gut überlegt.

 

In den Bergen von Eden entspringt ein Fluss, der sich weiter unten in vier Ströme aufteilt. Überall im Paradies kannst du das Wasser rauschen hören. Hier und dort gibt es herrlich erfrischende kleine Wasserfälle.  An spezielle Stellen kommen die Tieren zum trinken.  Adam schaut zu. Sie haben überhaupt keine Angst. Er bemerkt bald, dass sie ihn sogar folgen.

„Komm mal her,“ sagt er zu einem Tier mit gelben Augen und eine gewaltige Mähne am Kopf. Zeig mir mal deine Zähne. Es öffnet gehorsam sein großes Maul. Adam berührt auch den Schwanz mit dem Pinsel am Ende.

„Adam,“ ruft GOTT plötzlich, „ Gib ihn doch einen Namen.“

Das ist ja toll! Adam darf den Tieren Namen geben.

„Ich nenne dich Löwe,“ sagt er, „Du wirst der König der Tiere sein.“

 GOTT Vater hat viel Spaß mit Adam. Er bringt noch viel mehr Tieren zu ihm, sogar die Vögel kommen herbei geflogen, sie bekommen alle einen Namen. Das ist nicht einfach. Du musst genau schauen was so ein Tier macht und wie sein Charakter ist. Stell dir vor, du nennst einen Strandläufer Rotkehlchen oder eine Möwe Uhu.

 

Adam bewundert GOTT immer mehr. In der ganzen Schöpfung sieht man seine Weisheit. Irgendwann bemerkt Adam aber etwas Eigenartiges. Genau das hatte GOTT auch beabsichtigt. Alle Tiere sind zu zweit. Männchen, Weibchen, Männchen, Weibchen. Wo aber ist der Mensch der zu ihm passt? Er denkt nicht mehr an die Tieren, sondern schaut sich suchend um, er ruft sogar.  Seine Worte hallen von den Bergen zurück.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist,“ sagt GOTT. Ich werde ihm eine Frau machen, die zu ihm passt.“

Er lässt Adam in einen tiefen Schlaf fallen. Vorsichtig, ohne ihn zu verletzen nimmt GOTT eine seiner Rippen. Davon baut er eine Frau. Sie wird zarter, schöner und weicher. Sie sieht Adam ähnlich, aber doch wieder nicht, auch ihr Charakter ist anders.

 

„Adam, aufwachen,“ sagt GOTT, „Schau doch mal!“

Zwei strahlende Augen schauen Adam aus einem hübschen Gesicht umrahmt von dichten Locken an. Adam traut seinen Augen nicht. Eine Frau für ihn? Die genau zu ihm passt und mit der er sich unterhalten kann? Er freut sich riesig.

 

„Vielen, vielen Dank, GOTT Vater!“ ruft er, während er auf sie zugeht. „Sie ist genau das, was ich gesucht habe. Ich nenne sie Männin.“

Adam nimmt ihre kleine Hand in seine größere Faust und überglücklich spazieren sie davon um zusammen GOTTes Weisheit in der Schöpfung zu entdecken.