OT01 - Der erste Mensch

Verfasser: Josine de Jong, www.bijbelverhalen.nl

Uebersetzung: Anke Podesser

 

„Frau Lehrerin, ich habe heute Nacht einen kleinen Bruder bekommen,“  ruft Martina, so bald sie die Klasse betritt. Sie ist umgeben von einer Gruppe Freundinnen.

 

Aufgeregt erzählt sie, wie süß er ist. Die Lehrerin gratuliert ihr und sagt: „Das passt genau. Ich wollte gerade erzählen... Aber nein, setzt euch erst einmal im Kreis.“

Während die Kinder lautstark ihre Stühle herumtragen, holt sie eine schön bemalte, runde hölzerne Puppe aus ihrer Tasche. Sie sieht aus wie eine russische Babuschka.

Die Kinder werden sofort still. Ganz vorsichtig öffnet die Lehrerin das Püppchen. Schau mal, da ist noch so ein Frauchen drinn, und in diesem noch eins, immer ein bisschen kleiner.  Es sind bestimmt acht Stück. Das Kleinste ist so groß wie ein Fingernagel.

 

„Das ist ein neugeborenes Baby,“ sagt Doris die viel Phantasie hat. „Und das sind die Mutter und die Großmutter und die Urgroßmutter und die...“

 

„Hör bitte auf,“ sagt die Lehrerin lachend. „Es ist eine lange Reihe. Bei uns Menschen ist die Reihe noch länger. Aber irgendwo, ganz weit zurück hat es eine erste Mutter gegeben. Wo kam die denn her?“

Stefan streckt auf. Er weiß es. Von einem Affen.

Die Klasse fängt an zu grinsen, aber Stefan redet empört weiter: „ Doch, ich habe es selbst im Museum gesehen. Zuerst sind sie auf allen vieren gelaufen und dann haben sie angefangen aufrecht zu gehen und nach tausenden von Jahren wurde es ein Mensch, der einen Affen ähnlich sah und nach noch einmal tausend Jahren wurden sie immer schöner und schöner bis sie so waren, wie wir jetzt sind.“

 

„Frau Lehrerin, Frau Lehrerin,“ drängelt Jana, „ Alles hat mit einem Fisch angefangen, der auf das Land gekrochen ist.“

 

„Geht nicht,“ stellt Andy nüchtern fest, „Dann stirbt er.“

 

Andy fischt oft, das merkt man. Die Lehrerin fasst kurz die Meinungen der Kinder zusammen.

„Kinder, Stefan redet von einem Affen und Jana von einem Fisch. Was stimmt jetzt? Es wird viel darüber geschrieben. Und niemand war dabei, als alles gemacht wurde.“

 

„Nur GOTT,“ ruft Andy wieder.

„Könnte Er es uns denn nicht sagen?“ überlegt Jana.

„Ja, das hat Er auch getan,“ stellt die Lehrerin fest. „Es steht in der Bibel. Willst du es hören? Dann hör zu.“

 

Ganz am Anfang hatte GOTT, den Plan Menschen zu machen, die Ihm ähnlich sein würden, mit denen Er reden und die Er lieben konnte.

Also hat Er alles vorbereitet. Er machte den Himmel und die Erde. Aber die Erde war wüst und leer. Eine tiefe Finsternis lag über den Wassern.  GOTT ließ seinen Geist darüber schweben. In der Finsternis würde der Mensch nicht leben können. Also gab er den Befehl: „ Es werde Licht!“ und es wurde Licht. Das Licht war gut. GOTT nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte Er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen, der erste Tag.

 

Immer noch hing eine Art Nebel über der Erde. Alles war grau in grau und nass.

Das musste sich ändern. Also machte GOTT eine Trennung zwischen den Wassern auf und über der Erde. Ein großer Ozean entstand. Die Ausdehnung über uns nannte GOTT Himmel. Und GOTT sah, dass es gut war. Es wurde Abend und es wurde Morgen, der zweite Tag.

 

„Das Trockene muss erscheinen!“ rief GOTT. „Und ich möchte darauf Gräser, Pflanzen und Bäumen haben, die Früchte tragen!“

Herrlich war es jetzt, so Farbenfroh.  GOTT sah dass es gut war. Es war Abend und es war Morgen, der dritte Tag.

 

„Am Himmel möchte ich Lichter: Sonne, Mond und Sterne. Sie sollen Tag und Nacht trennen. Sie müssen die Jahreszeiten anzeigen, die Monate, die Jahre und außerdem die Erde beleuchten.“

So wie GOTT es wollte, passierte es auch. Es wurde Abend und es wurde Morgen, der vierte Tag.

 

„Im Wasser will ich Fische haben und in der Luft Vögel!“ sagte GOTT. Du hättest es sehen sollen! Viele verschiedene Vögel und Fische kamen, große und kleine. Eine Planscherei und eine Pfeiferei. GOTT segnete sie und sprach: „ Es ist gut so, vermehrt euch und füllt die Erde.“

Es wurde wieder Abend und es wurde wieder Morgen: der fünfte Tag.

 

Am sechsten Tag schuf GOTT verschiedene Tiere. Igel, Eidechsen, Pferde und Löwen. Unglaublich viele verschiedene Arten.  GOTT machte es Spaß eine Giraffe mit einem langen Hals zu machen oder ein Nashorn mit einem Horn auf der Nase. Es konnte einem hören und sehen vergehen, bei all den Geräuschen und dem Gehüpfe.  Es war immer irgendetwas in Bewegung. Endlich war alles fertig. Jetzt konnte der Mensch kommen. Wie würde er die guten Früchte, die Gerüche, die Farben und das Vogelgezwitscher genießen!

 

GOTT bildete den Menschen eigenhändig, aus Molekülen die auf der Erde waren, ein bisschen von diesem und ein bisschen von jenem. Er formte den Mund, die Finger mit den Nägeln, die Rundung der Beine und die zierlichen Füße...

Und dabei habe ich dir noch nicht einmal erzählt wie unglaublich genial GOTT  das Gehirn und die Gedärme und das Herz machte.

Der Mensch war perfekt. Nur, er lebte noch nicht. Wie würde GOTT  das machen? Würde Er wieder reden? Nein.  Er hauchte in seine Nase den Odem des Lebens und stellte ihn dann sanft aufrecht hin. 

„Adam.“ sagte GOTT stolz. Er betrachtete sein Kind eine ganze Weile und flüsterte immer wieder: „Gut, sehr gut.“

 

Wie lernte Adam reden? Wie lernte Adam was er essen konnte? Wer hat ihm die wunderschöne Schöpfung gezeigt? GOTT natürlich! Adam durfte über alles herrschen. Er fühlte sich so reich wie ein König und das war er ja auch.

Viel zu schnell ging der Tag vorüber, der Sechste.

 

Jetzt hatte GOTT noch einen Tag übrig, den Siebenten. Aus diesem Tag machte Er etwas Besonderes. Es wurde ein Tag um sich mit den Menschen zu treffen, ein Ruhetag für beide. Ja, GOTT ruhte von all Seiner Arbeit und Er genoss es.

 

Die Lehrerin ist fertig mit erzählen. Ein Seufzer geht durch die Klasse. Wie schön. Als sie wieder an ihren Platz zurückgehen, brummt Andy zu Stefan: „Ich glaube deine Affengeschichte nicht.“

Der schaut ihn vernichtend an. „Nein? Trotzdem stimmt es. Das Museum lügt nicht. Nie!“

Aber tief in seinem Herzen nimmt sich Stefan vor seinem Vater zu fragen, wie das genau ist mit dem ersten Menschen, der nie ein Baby war.